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«Wir wollen authentische User, die auch offline Leute kennen lernen könnten»

26.02.15


Aus einer Bierlaune heraus gründeten Alex Zimmermann* und Jan Berchtold die Schweizer Dating-App Blinq. Zwei Jahre später zählt der Dienst über 30‘000 User. Wer den Dienst nutzen will, muss zuvor allerdings von der Community für geeignet befunden werden.

Redaktion/Interview: Text- und Übersetzungsagentur etextera

Herr Zimmermann, die Nutzer Ihrer Dating-App können sich mittels simplem «Hi oder Bye»-Prinzip durch Wegklicken eines Fotos gegenseitig aussortieren – oder den Kontakt in einem Chat vertiefen. Was ist Ihr Tipp für die erste Chat-Nachricht?

Hier gilt dasselbe wie in einem Gespräch, das man offline führt: Fragen stellen, eine kleine Geschichte erzählen oder etwas über sich selbst. Und am besten nicht einfach nur «Hallo» schreiben.

Welche Kandidaten kommen Ihrer Erfahrung nach besonders gut an?

Leute, die man auf ihrem Profil klar erkennt. Also bloss keine verschwommenen Fotos einstellen, auch keine Landschaftsbilder, das kommt nicht gut. Auf dem Foto am besten fröhlich und gut drauf sein – so, wie man sich auch in einer Bar präsentieren würde, wenn man jemand kennen lernen will. Und lieber kein Photoshop verwenden, sondern authentisch sein.

Welche Personen sind eher schwer vermittelbar?

Das werten wir nicht aus.

Erfolgstorys der Dating-App

Haben Sie denn einen Überblick, wie viele Beziehungen Blinq schon gestiftet hat?

Wir hören zumindest oft von Erfolgstorys. Gerade kürzlich ist eine Freundin von mir mit jemandem zusammen gezogen, den sie auf Blinq kennen gelernt hat. Zum Teil schreiben uns die Leute auch E-Mails. Und löscht jemand die App, muss er angeben, weshalb er dies macht. Oft steht dann dort «habe jemand gefunden». Generell führen wir aber keine Statistik darüber; das wäre auch zu schwierig, zu messen. So wissen wir auch nicht, ob sich die Leute wirklich treffen. Hier sind wir auf Feedback angewiesen.

Weshalb braucht es Blinq – wo es doch schon so viele Datingplattformen gibt?

Das Ganze hat als Bieridee angefangen. Jan Berchtold, mit dem ich die App gegründet habe, und ich sassen in den Bergen bei einem Bier, wollten noch ausgehen und dachten, es müsste doch eine Möglichkeit geben, unkompliziert Leute kennen zu lernen. Und am besten natürlich solche, mit denen man auf einer Wellenlinie liegt. So war die Grundidee von Blinq geboren – der Qualitätsgedanke.

Eine Dating-App für Leute, die keine Dating-App brauchen

Sie meinen damit, dass man sich bei Blinq als User zunächst bewerben muss und die Community dann entscheidet, ob man aufgenommen wird?

Ja, genau. Auf diese Weise können wir recht gut verhindern, dass sich Leute mit Fakeprofilen anmelden oder solche, die es nicht ernst meinen. Wir wollen nämlich authentische User haben, die Sozialkompetenz besitzen und auch offline Leute kennen lernen könnten – und keine User, die dazu nur in der Anonymität des Internets fähig sind. Blinq ist also eine Dating-App für Leute, die keine Dating-App brauchen.

Wie hoch ist denn die Chance, in die Blinq-Community aufgenommen zu werden?

Das ist unser Geheimnis. Nein, im Ernst. Wir wollen keine elitäre Plattform für die oberen fünf Prozent sein. Es geht tatsächlich darum, Profile raus zu filtern, die nicht authentisch sind. Dazu wird aus den Facebook-Daten eines potentiellen Users ein Profil erstellt und zum Beispiel seine Likes abgeglichen mit denen der Community. Mittlerweile haben wir 30‘000 Nutzer, 40 Prozent davon sind Frauen, und das Durchschnittsalter liegt bei 27 Jahren. Wir sehen unsere App als Eisbrecher für einen ersten Kontakt, den Rest müssen die User dann selbst erledigen. Deshalb wollen wir die Leute auch animieren, sich schnell zu treffen und nicht nur zu Chatten.

Signalverortung führt User zusammen

Und um mehr spontane Begegnungen im realen Leben zu ermöglichen, arbeiten Sie neuerdings mit der Lokalisierungstechnologie InstaConnect?

Genau. Deshalb haben wir ein neues Feature entwickelt mit iBeacon-Signalen. Die Signalverortung löst eine Push-Nachricht aus und informiert zum Beispiel zwei Teilnehmer, die sich gegenseitig positiv bewertet haben, dass sie sich in derselben Beiz befinden. Bisher haben wir 70 Beacons draussen – den grössten Teil davon in Zürich, einige sind aber auch im Skigebiet Arosa. Denn wir wollen, dass sich die Leute nicht nur im Ausgeh-Kontext treffen können.

Wie finanzieren Sie sich?

Am Anfang komplett aus eigener Tasche. Jan und ich hatten zuvor beide schon andere Startups gegründet und daher über gewisse Mittel verfügt. Inzwischen haben wir aber auch erste Investoren an Bord geholt. Momentan ist die App zwar noch komplett kostenlos, aber Premium-Features wären auch denkbar. Oder die Zusammenarbeit mit Bars und Clubs – im Sinne von Hinweisen an die User, wie etwa: «Trefft euch doch in der Bar XY, dort bekommt ihr zwei Drinks zum Preis für einen.»

Wo wollen Sie hin mit Blinq?

Moment sind wir in der Schweiz gross, planen aber den nächsten Schritt ins Ausland. Allerdings sind wir noch am Evaluieren, wo und wie das genau geschehen könnte. Denn unser Markenzeichen – die vertrauenswürdige Atmosphäre, in der man Leute kennen lernen kann – muss natürlich gewahrt bleiben. (kri)


Zur Person:

*Alex Zimmermann lancierte 2013 zusammen mitJan Berchtold die Dating-App Blinq. Er studierte Rechnungswesen und Finanzen an der Universität St. Gallen und International Management an der ESADE Business School in Barcelona und gründete Uniseminar, den führenden Schweizer Anbieter von universitären Lernhilfen. Blinq wurde 2013 zur zweitbesten Lifestyle-App der Schweiz gekürt und zählt heute über 30‘000 Nutzer.

Im Bild: Alex Zimmermann und Jan Berchtold
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