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«In fünf Jahren wollen wir 200 Millionen Nutzer haben»

22.01.15


Der Online-Terminplaner Doodle hat sich in wenigen Jahren vom Schweizer Vorzeige-Startup zum international agierenden Unternehmen gewandelt. CEO Michael Brecht* über das unterschiedliche Nutzerverhalten von Schweizern und Koreaner, ehrgeizige Zukunftsziele und weshalb der Webdienst in den nächsten Wochen ein Büro in Berlin eröffnen will.



Redaktion/Interview: Text- und Übersetzungsagentur etextera

Herr Brecht, bei welcher Gelegenheit haben Sie das erste Mal Doodle verwendet?

Um mich für ein Fussballspiel zu verabreden. Vier Jahre muss das etwa her sein. Damals war ich noch nicht bei Doodle und habe es vor allem privat genutzt. Was übrigens dem Nutzerverhalten von Schweizern, Österreichern oder Deutschen entspricht: 80 Prozent verwenden bei uns Doodle zur privaten Terminfindung, 20 Prozent geschäftlich. In den USA, UK und Kanada hingegen liegen die Verhältnisse gerade anders herum.

In fünf Jahren konnte Doodle seine Nutzerzahlen verzehnfachen. «Lass uns mal doodeln» ist mittlerweile fast schon zum Synonym für «einen Termin finden» geworden. Weshalb ist Ihr Online-Dienst so erfolgreich?

Es ist die höchste Form des Lobes, wenn die Marke in den Sprachgebrauch übergeht. Das macht uns natürlich unheimlich stolz. Was unser Erfolgsgeheimnis angeht: Doodle ist sehr einfach zu nutzen. Hat jemand, zu einer Doodle-Terminfindung einmal eine Einladung erhalten, verwendet er den Webdienst meist wieder. Von diesem viralen Effekt haben wir die ersten Jahre in der Startup-Phase gelebt und sind damit gross geworden. Marketingmassnahmen waren in dieser Zeit kaum nötig.

Weltweites Wachstum als Ziel

Und heute? Ende letzten Jahres wurde Doodle von Tamedia übernommen. Was bedeutet dies für das Unternehmen?

Mit Tamedia haben wir einen Partner gefunden, der unser weltweites Wachstum unterstützt. In der Schweiz besitzt Tamedia grosse Stärke, aber auch im Ausland hat das Unternehmen durch Akquisitionen an Bedeutung gewonnen. Gemeinsam mit dem dänischen Tochterunternehmen Trendsales wollen wir zum Beispiel den skandinavischen Markt ausbauen. Ausserdem finden momentan viele Tests und Untersuchungen statt, die uns helfen sollen, Märkte noch besser zu erschliessen. Allerdings ist auch klar: Doodle kann man nicht mit einer einzigen Idee weltweit antreiben – zu gross sind die Unterschiede im Nutzerverhalten.

Zum Beispiel?

In den USA etwa sind Doodle-Umfragen meist eher klein, mit durchschnittlich zehn Teilnehmern. In der Schweiz oder Deutschland hingegen nehmen im Schnitt 17 Leute daran teil – was daran liegt, dass in den USA Doodle vorwiegend geschäftlich genutzt wird, in der Schweiz und Deutschland eher privat. Auch die Vorlaufzeiten zu einem Termin sind völlig unterschiedlich: Schweizer planen Ihre Termine weit voraus, Koreaner etwa entscheiden viel spontaner. Da gibt es zum Teil Unterschiede von mehreren Wochen.

Kostenpflichtiges Premium-Modell für KMUs

In welchem Land wird Doodle am häufigsten genutzt?

2014 war dies noch Deutschland. Für 2015 erwarte ich allerdings, dass die USA dies sein wird. Dort wachsen wir momentan sehr stark.

Bekannt wurde Doodle mit seinem gratis Terminfinder. Seit einiger Zeit gibt es nun aber auch ein kostenpflichtiges Angebot. Weshalb sollte dieses für User interessant sein?

Mit Unserem Premium Doodle sind wir vor ein paar Jahren gestartet und haben letztes Jahr einige wesentliche Dinge verbessert. Bisher bedienen sich 75 Prozent der User am freien Doodle, 25 Prozent am kostenpflichtigen Premium. Letzteres wird vor allem von Leuten genutzt, die Doodle beruflich verwenden. Interessant ist dies zum Beispiel für KMUs, die ihre Terminfindung dort mit ihrem eigenen Brand unterlegen können – was im Umgang mit Kunden seriöser wirkt als die offene, werbefinanzierte Version.

Noch in diesem Quartal ein Büro in Berlin

Bisher hat Doodle 12 Festangestellte, die alle in Zürich sitzen. In diesem Jahr soll nun ein Büro in Berlin eröffnet werden. Was bedeutet dies für den Schweizer Standort?

Unsere Doodle Deutschland GmbH werden wir noch dieses Quartal eröffnen. Bis Ende 2015 wollen wir in Berlin 10 Arbeitsplätze haben. Von dort soll der weltweite Support organisiert werden. Klar ist aber auch: Wir sind ein Schweizer Unternehmen, Tochter eines Schweizer Medienhauses, und unser Hauptsitz wird nach wie vor in der Schweiz bleiben.

Wo sehen Sie Doodle in fünf Jahren?

Fünf Jahre sind im digitalen Bereich eine irre lange Zeit. Ich bin froh, wenn ich weiss, was die nächsten ein, zwei Jahre bringen. Fakt ist aber: Wir haben heute 25 Millionen Nutzer monatlich. Und ich sehe nicht, weshalb wir in fünf Jahren nicht 200 Millionen haben sollten. Dies ist auch mit Tamedia als Ziel erarbeitet. Ausserdem wird unsere neue App demnächst in 20 Sprachen verfügbar sein. Damit bringen wir die Terminfindung dorthin, wo Termine tatsächlich gemacht werden: Auf die Strasse.


Zur Person:

*Michael Brecht ist seit einem Jahr CEO des Online-Terminplaners Doodle.Dererfahrene Online-Experte verfügt über 20 Jahre IT-Erfahrung. Er gründete das Familien- und Kinder-Portal Urbia.com, das später an Gruner & Jahr verkauft wurde und führte zuletzt das Wein-Shopping-Portal 52weine.de. Doodle wurde 2003 gegründet und verfügt heute monatlich über 25 Millionen Nutzer. Der kostenlose Online-Dienst vereinfacht Umfragen von Gruppen im Netz (einen Termin finden, eine Wahl treffen) und bietet darüber hinaus auch eine kostenpflichtige Version ohne Werbung an.

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