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«Wer keine Zeit für persönliche Weihnachtsgrüsse hat, sollte darauf lieber verzichten»

23.10.18


Karten? E-Mails? Oder lieber gar nichts? Wie schreiben Unternehmen zeitgemässe Weihnachtsgrüsse? Nicole Veser* Inhaberin der Imageagentur Stilgerecht über unpersönliche Massensendungen und die Rückbesinnung auf Traditionen.



Redaktion/Interview: Textagentur etextera

Frau Veser, wie wichtig ist es heute für Unternehmen, Weihnachtsgrüsse zu versenden?

Zunächst stellt sich die Frage: Was will und kann ich damit erreichen? Möchte ich mich etwa bei Kunden und Geschäftspartner für die gute Zusammenarbeit bedanken, macht es durchaus Sinn. Genauso wenn es darum geht, brachliegende Kontakte zu aktivieren.

Bleibt die Frage der Form: Büttendruck, Klappkarte mit Glitzer oder doch lieber nur eine E-Mail?

Auch hier, immer daran denken: Wer wirds erhalten? Die einen haben Freude an Büttenpapier, die anderen können damit gar nichts anfangen. Handelt es sich um eine internetaffine Zielgruppe, können Sie auch eine E-Mail schreiben – sofern es sich nicht um eine Massenmail handelt. Anders gesagt: Eine persönliche Mail, in der Sie Ihre Wertschätzung gegenüber dem Empfänger ausdrücken, hinterlässt mehr Eindruck als ein Standardschreiben auf Büttenpapier.

Wie persönlich ist es, wenn der Geschäftsführer alle 400 zu verschickende Karten schnell noch persönlich unterschreibt?

Das läuft unter Massensendung. Eine Wertschätzung gegenüber den Einzelnen lässt sich so sicher nicht ausdrücken.

Authentizität ist heute das Mass aller Dinge

400 individuelle Karten oder E-Mails zu schreiben ist aber extrem zeitaufwändig.

Deshalb sollte man zuerst überlegen: Müssen es tatsächlich 400 sein? Generell ist Authentizität heute das Mass aller Dinge. So spielen in vielen Unternehmenskulturen Werte wie Vertrauen oder das einzelne Individuum eine grosse Rolle. Eine unpersönliche Karte würde dies ad absurdum führen.

Also lieber gar keine Grüsse versenden als unpersönliche?

Ja, wer seinen Geschäftspartnern nichts zu sagen oder keine Zeit für persönliche Grüsse hat, sollte darauf lieber verzichten. Je weniger individuell, umso eher landen Grüsse im Papierkorb und sind unter Umständen sogar kontraproduktiv. Da gibt es bessere Marketing-Instrumente, um Kunden zu erreichen.

Wie sieht denn nun der ideale Weihnachtsgruss aus?

Der Weihnachtsbrief kann ein schöner Anlass sein, um Relevantes im Unternehmen zu sagen. Einerseits zum Beispiel nochmal betonen, welche Ereignisse im zu Ende gehenden Jahr mit Kunden oder Geschäftspartnern wichtig waren. Andererseits auf das Kommende Bezug nehmen und einen Ausblick geben. Dies zeigt, was wichtig ist in der Beziehung.

Auf dem Schweizer Markt hat Weihnachten nach wie vor eine grosse Bedeutung

Um in unserer immer internationaler werdenden Gesellschaft niemandem auf den Schlips zu treten, verschicken viele Unternehmen heute lieber neutrale «season greetings» statt sich direkt auf das christliche Weihnachtsfest zu beziehen. Ist diese Rücksichtnahme angemessen?

Kommt auf das Umfeld an. Auf dem Schweizer Markt hat Weihnachten nach wie vor eine grosse Bedeutung, wenn auch nicht mehr für alle gleich. Hier würde ich nach wie vor Weihnachtsgrüsse versenden. International hingegen hängt es davon ab, an wen ich mich richte.

Wann verschickt man am besten seine Festtagsgrüsse, um aus der Masse heraus zu stechen?

Beziehen Sie sich mit Ihren Grüssen direkt auf Weihnachten, sollten diese spätestens 14 Tage vor dem Fest ankommen. So hat der Empfänger noch Zeit hat, darauf zu reagieren und findet die Grüsse nicht erst nach seiner Ferienabwesenheit im neuen Jahr, wenn diese längst überholt sind.

Bleiben uns traditionelle Weihnachtsgrüsse also langfristig erhalten?

Traditionen geniessen heute wieder einen hohen Stellenwert, man besinnt sich auf alte Werte: Eine Familie gründen etwa oder trotz aller Internationalität mit der Heimat verbunden bleiben, ist wichtiger denn je. Deshalb bleibt uns wohl auch das Weihnachtskartenschreiben erhalten.


Zur Person

*Nicole Veser ist Inhaberin und geschäftsführende Partnerin der Imageagentur Stilgerecht. Das Unternehmen ist spezialisiert auf praxisorientierte Schulungen, Vorträge und persönliche Coachings zu den Themen Imagebildung, Business Knigge, Kundenfreundlichkeit, Networking, Führung, Teambildung und Verkauf.

Bild: Radka Schöne/pixelio.de

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