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«Natürlich können Sie Texte auch intern übersetzen lassen, aber effizient ist das nicht»

17.01.17


Weshalb Unternehmen sich für professionelle Übersetzungen entscheiden sollten: Philipp Meier*, CEO der Apostroph Group, über Schreibfehler in E-Mails, Konkurrenz aus dem Internet und Diskussionen um Stilfragen.

Redaktion/Interview: Textagentur etextera

Herr Meier, woran erkennt man eine gute Übersetzung?

Ganz einfach: Sie ist nicht als solche erkennbar – dies ist der Fall, wenn möglichst frei übersetzt worden ist. Natürlich kommt es dabei auf die Themen an. So sind etwa im Marketing eher freie Übersetzungen möglich als im Bereich Medizin, Pharma oder Gesundheit.

Warum sollten Unternehmen professionelle Übersetzer engagieren?

Weil die Sprache Image und Auftritt einer Firma prägt. Wollen Sie ein Produkt in gehobenem Segment platzieren – etwa im Bereich Uhren oder Banken – ist eine professionelle Übersetzung unumgänglich. Sobald Sie sich in der Öffentlichkeit bewegen, sollte die Sprache möglichst perfekt sein; das fängt schon mit E-Mails an: Es ist einfach peinlich, wenn es vor Schreibfehlern wimmelt. Natürlich können Sie Texte auch intern übersetzen lassen, aber effizient ist das nicht. Wie lange brauchen Sie zum Beispiel, bis Sie eine Seite perfektes Englisch haben? Bei uns schafft ein Übersetzer am Tag acht bis zehn Seiten. Das ist einem Laien schlicht nicht möglich.

Sprachtools und Übersetzungssoftware als Konkurrenz?

Mittlerweile gibt es auf dem Markt verschiedene Sprachtools bzw. Übersetzungssoftware. Sind das ernsthafte Konkurrenten für Übersetzungsagenturen?

Sie sind eine Ergänzung – zumindest wenn wir von CAT-Tools sprechen. Diese Programme sind computerunterstützte Übersetzungsumgebungen und übersetzen nicht selbst, sondern helfen Übersetzern, ihre Produktivität zu steigern. 95 Prozent unserer Übersetzer arbeiten damit. Übersetzte Texte lassen sich dabei in einer Datenbank speichern und so wieder verwenden. Beim ersten Auftrag für eine Firma braucht ein Übersetzer noch etwas mehr Zeit, beim wiederholten Mal kann er womöglich im CAT-Tool auf früher übersetzte Segmente zurück greifen. So erreicht er eine immer höhere Geschwindigkeit und Treffsicherheit. Und davon profitiert schliesslich der Kunde.

Wie verhält es sich mit maschinellen Übersetzungen?

Auch diese sind für uns keine Konkurrenz. Das Beste, was es heute in diesem Bereich auf dem Markt gibt, ist Google Translate – was für unsere Kunden vom Niveau her meist keine Alternative ist. Generell wächst das Volumen an Übersetzungsaufträgen Jahr für Jahr um sieben bis zehn Prozent. Gleichzeitig können Kunden über die Jahre dank CAT-Tools bis zu 40 Prozent einsparen. Dass sich das Geschäft für Übersetzungsagenturen trotzdem noch rechnet, haben sie also dem Volumenwachstum zu verdanken.

Für welche Fachgebiete werden besonders häufig Übersetzer angefragt?

Wir sind stark in den Bereichen Banken, Finanzen, Recht, ausserdem Pharma, Chemie, Gesundheit, sowie Bildung, Gesundheit und technischen Themen.

Sie bieten Übersetzungen aus und in 48 Sprachen an: Aus bzw. in welche Sprachen muss besonders oft übersetzt werden?

Seit 20 Jahren ist die Zielsprache Nummer Eins bei uns Französisch; gefolgt von Englisch und Deutsch.

Schwierige französische Zielgruppe

Gibt es dabei sowas wie eine besonders herausfordernde Sprache?

Generell gilt: Sprache ist auch Kultur. Von daher setzt eine gute Übersetzung immer auch eine gute Adaption des Textes voraus. Bei kyrillischen Sprachen, Arabisch oder Mandarin, die völlig andere kulturelle Hintergründe haben, ist dies natürlich schwieriger, hier muss immer frei übersetzt werden. Andererseits ist aber auch Französisch recht anspruchsvoll als Zielsprache – oder besser gesagt: Die französische Zielgruppe ist sehr anspruchsvoll. Bei weit verbreiteten Sprachen wie etwa Englisch werden Übersetzungsergebnisse von Kunden wiederum öfter kritisch hinterfragt und zum Beispiel Stilfragen diskutiert.

Wie wird sich die Szene der professionellen Übersetzungsdienstleister weiter entwickeln?

Wir haben es heute bereits mit einem extrem globalen Markt zu tun, was zum Preisdruck führt. Gleichzeitig wird alles immer digitaler und Kunden benötigen die zu übersetzenden Texte immer schneller. Vor sechs Jahren etwa mussten 10 bis 15 Prozent der Aufträge in einer 24-Stunden Frist erledigt werden; heute sind es 40 Prozent. Gleichzeitig hat sich das Bedürfnis der Kunden durch Social Media und Webcontent geändert; sie bestellen immer kleinere Mengen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch das Thema Datensicherheit.

Wie meinen Sie das?

Technologie gehört zu unserem beruflichen Alltag. Wir sichern Daten mittels modernster IT-Infrastruktur und bieten ein sehr gut verschlüsseltes Web-Portal für Kunden und Übersetzer sowie eine doppelte Firewall. Ausserdem liegt die Datenhoheit in der Schweiz. Insgesamt wird sich die Branche in den nächsten Jahren weiter dynamisieren und noch schneller werden.

Zur Person
*Philipp Meier ist CEO der Apostroph Group. Das Übersetzungsunternehmen mit Standorten in Bern, Lausanne, Luzern und Zürich bietet Übersetzungsdienstleistungen für unzählige Branchen in 48 Sprachen.

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