+41 (0)79 232 94 21 info@etextera.ch
Molésonweg 5 · CH-3185 Schmitten

7 Fragen an Martin Amann

31.08.17


Inhaber des Instituts für limbische Kommunikation «iflk»

1. Welche Art der Kommunikation spricht Sie an?

Kommunikation, die meinem Wesenstyp entspricht und mich dadurch zu einer Handlung oder einem Verhalten motiviert. Motive sind unbewusste, intuitive oder bewusste Handlungstriebe, von denen wir uns eine Belohnung erwarten. Was jemand als Belohnung empfindet, ist von Mensch zu Mensch jedoch sehr unterschiedlich.

2. Wie kommunizieren wir Ihrer Ansicht nach in zehn Jahren

Ich hoffe, dass sich die Kommunikation – nicht die Werbung – von der digitalen zur analogen Kommunikation verschiebt. Meines Erachtens nutzen wir in zehn Jahren digitale Kommunikation selektiver und kommunizieren wieder vermehrt analog. Es erschüttert mich, wenn in der heutigen Zeit Familien oder Freunde gemeinsam im Restaurant sitzen und alle auf ihr Handy starren, statt miteinander zu sprechen. Zudem glaube ich, dass es in naher Zukunft immer mehr Leute gibt, die es leid sind, eine Vielzahl an Kommunikationsplattformen gleichzeitig checken zu müssen.

3. Wie macht sich die Digitalisierung in Ihrem Berufsumfeld bemerkbar?

Die auf einen Persönlichkeitstyp abgestimmte und damit hirngerechte Kommunikation wird im digitalen Bereich immer wichtiger. Die Flut an uninteressanten Werbebotschaften lässt den Empfänger abstumpfen und verärgert ihn. Das Resultat: Er klickt jegliche Werbung sofort weg, ohne diese zu betrachten. Das Ziel muss sein, nur noch Werbung zu versenden, die auf den Empfänger abgestimmt ist, sodass sie positive Emotionen sowie Handlungen auslöst.

4. Welches Soziale Netzwerk bevorzugen Sie geschäftlich und welches privat?

Geschäftlich bin ich auf Xing und LinkedIn, privat hat meine Frau ein Facebook Account, bei dem ich als reiner «Zuschauer» eingeloggt bin. Ich bevorzuge die direkte Kommunikation über Telefon, E-Mail oder über Kurznachrichtendienste. Am liebsten aber treffe ich Leute und rede mit ihnen über ihre Erlebnisse. Wenn ich alles schon auf Facebook, Twitter oder LinkedIn gesehen habe, sind die Gespräche doch nicht mehr spannend.

5. Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?

Für mich ist der grösste Erfolg, glücklich und zufrieden zu leben. Das klingt einfacher als es ist, denn das Gehirn erhält einen einmal erreichten Glückszustand nicht aufrecht. Was wir als Glücksgefühl erleben, ist aus neurobiologischer Sicht ein Cocktail aus Neurotransmittern. Diese werden ausgeschüttet, wenn wir ein Ziel erreicht haben oder etwas Erfreuliches passiert ist. Die Wirkung lässt aber nach, und wir müssen ein neues Ziel haben und erreichen, um das Glücksgefühl wieder zu erlangen.

6. An welches Ereignis in Ihrer Karriere erinnern Sie sich am liebsten?

Logischerweise an die, die zum Erfolg geführt haben. Doch wie die meisten Menschen habe auch ich mehr aus Fehlern, denn aus Erfolgen gelernt. An einen Moment erinnere ich mich dabei ganz speziell. 1999 fuhr ich mit dem Mehrheitsaktionär unserer Firma zu einem Kunden. Am Ausgang des Belchen-Tunnels eröffnete er mir: «Wir müssen gemeinsam einen Weg finden, damit ich mehr Zeit im Kanton Graubünden verbringen kann. Dort, wo meine neue Freundin lebt.» Ich sagte: «Was wäre denn dein Traum?» Worauf er antwortete: «Am liebsten würde ich die Firma verkaufen und ins Graubünden ziehen.» Zwei Monate später war ich Mehrheitsaktionär und er im Graubünden. Damals habe ich mich sehr hoch verschuldet und alles auf eine Karte gesetzt – zum Glück mit einem für mich positiven Ausgang.

7. Was ist Ihnen im Beruf besonders wichtig?

Mit vielen Menschen zu reden und Leute zu beobachten. Ich erfahre immer wieder interessante Dinge, die ich in meine Analysen und meine Beratungen einfliessen lasse. Man kann lernen, das Gehirn aus neurobiologischer und neuropsychologischer Sicht zu verstehen bzw. zu interpretieren. Für den Transfer der Erkenntnisse der kognitiven Neurowissenschaften in die Praxis muss man neugierig sein, viel fragen und beobachtete Situationen auf die auslösenden Motive hin analysieren.


Zur Person
Martin Amann hat eine Banklehre abgeschlossen und anschliessend Controlling studiert. Er ist diplomierter Experte in Rechnungslegung und Controlling. Danach bildete er sich zum Marketingplaner weiter und studierte später kognitive Neurowissenschaften mit einem Abschluss als Master of Cognitive Neuroscience.

Im Jahr 2009 hat Martin Amann das Institut für limbische Kommunikation gegründet, dessen Inhaber er ist. Er berät Kunden aller Branchen in neuropsychologischer Segmentierung, in Markenführung und Werbewirkung, bei der Definition der Zielgruppe sowie beim Umsetzen von Marketing- bzw. Kommunikationsmassnahmen. Dies mit dem Ziel, die Wirkung und die Effizienz zu optimieren. Die Elemente des Marketingmix müssen dabei die typspezifischen neurobiologischen Codes einsetzen, damit im Gehirn der Zielgruppe keine limbischen Widersprüche entstehen.

Das individuelle Motiv- und Wertesystem eines Menschen ist die Grundlage seiner Persönlichkeit, es ist im limbischen System «beheimatet». Zu welchem Persönlichkeitstyp jemand gehört, hängt vom genetischen Code, der Prägung durch das Umfeld sowie von seinen Erfahrungen ab. Mittels Tests hat Martin Amann sechs Persönlichkeitstypen definiert.

Interview/Redaktion: Textagentur etextera

PS: Weshalb selber machen, wenn es dafür Profis gibt? etextera unterstützt Sie beim Texten und in Kommunikationsprojekten. Fragen Sie uns.