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«An schlechten Tischmanieren ist schon manche Karriere gescheitert»

05.04.19


Beruflicher Erfolg hängt nicht nur von fachlichen Qualifikationen ab, sondern auch vom persönlichen Auftreten. Wie wir uns bei einem Geschäftsessen möglichst gut darstellen und was es mit Tischgespräch und Bestecksprache auf sich hat, erzählt Imageberaterin Monika Seeger*.

Redaktion/Interview: Textagentur etextera

Frau Seeger, weshalb ist es so wichtig, wie wir uns beim Essen im geschäftlichen Umfeld verhalten?
Tischmanieren und Esskultur verraten nicht nur, welche Kinderstube jemand genossen hat: Wer beim Essen raue Manieren an den Tag legt und keine Rücksicht auf seine Mitmenschen nimmt, zeigt sich vermutlich auch in anderen Situationen nicht von seiner besten Seite. Nicht umsonst gibt es den Spruch: «Zeige mir, wie du isst und ich sage dir, wie du bist!»

Das Geschäftsessen als Prüfstein für gute Umgangsformen?
Auf jeden Fall! Oft ist eine gemeinsame Mahlzeit sogar Teil des Rekrutierungsverfahrens. Will man wissen, wie jemand tickt, lädt man ihn zum Essen ein und schaut, wie er beispielsweise mit dem Personal umgeht. An schlechten Tischmanieren ist schon manche Karriere oder der Abschluss eines wichtigen Geschäfts gescheitert.

Gilt das sowohl für den Lunch mit dem Kunden als auch für das Weihnachtsessen im Team?
Natürlich ist Letzteres eher ein sozialer Event. Doch auch hier sollten Sie daran denken, dass Sie sich im Businesskontext bewegen: Sie repräsentieren etwas, haben eine Aufgabe zu erfüllen. Bei einem privaten Anlass – wie beim Grillplausch mit Freunden – kann ich die Salatsauce auch mal mit dem Brötchen auftunken. Im Businessumfeld aber ist das ein Fauxpas. Selbst wenn ihr Geschäftspartner das tut – Sie sollten es ihm auf keinen Fall nachmachen.

Bestellen Sie etwas, was keine Flecken macht

Stimmt es tatsächlich, dass man Spaghetti oder Salate bei Geschäftsessen meiden sollte, da sie schwierig zu essen sind?
Generell empfehle ich, etwas zu bestellen, was keine Flecken macht, und zum Beispiel Tomatensauce zu vermeiden. Kann ich das Salatdressing wählen, entscheide ich mich im Geschäftsumfeld eher für French Dressing – das ist unkritischer zu essen als etwa Balsamico und Öl.

Angenommen ich bin Gast und komme zu früh ins Restaurant. Darf ich mir schon mal was zu trinken bestellen?
Ja, am besten Wasser.

Und wie setze ich mich?
Dem Gast wird der Ehrenplatz zugewiesen. Das heisst, jenen mit Blick zur Tür oder mit der schönsten Aussicht. Nehmen mehr als zwei Personen am Essen teil, sitzt der Ehrengast rechts vom Gastgeber, und der Gastgeber kümmert sich um ihn: Er füllt sein Glas, wenn es leer ist, reicht ihm den Brotkorb usw.

Was wähle ich zum Essen?
Als Gast richte ich mich dabei vom finanziellen Aspekt her nach der Wahl des Gastgebers. Empfiehlt dieser nichts aus der Speisekarte, darf man nachfragen. Das gibt einen diskreten Hinweis, wie viel der Gastgeber ausgeben möchte und erleichtert die Auswahl.

Wie sieht es mit Alkohol aus?
Knigge sagt: Ein höflicher Gastgeber bietet dem Gast immer Wein an. Was dieser heute jedoch in der Regel ablehnt mit der Begründung: «Danke nein, ich habe noch Termine.»

Die Frage nach Wein als höfliche Floskel

Die Frage nach dem Glas Wein ist also nur eine höfliche Floskel?
Ja, meistens. Antwortet der Gast jedoch: «Gerne!», ich als Gastgeber möchte aber keinen Alkohol, kann ich auch erwidern: «Ich bleibe beim Wasser, aber hier gibt es ganz sensationelle Tischweine», oder: «Zum Anstossen bestellen wir was.» Sie brauchen es ja dann nicht auszutrinken. Wohlgemerkt: Ich rede hier nur für die Deutschschweiz. Im Tessin sollten Sie für ein Geschäftsessen generell mehr Zeit mitbringen, und der Wein gehört ganz selbstverständlich dazu.

Welche Themen eignen sich für das Tischgespräch?
Small-Talk-Themen wie Hobby, Sport, Freizeit und Familie sind immer gut. Wobei man bei Letzterem besser wissen sollte: Ist die Beziehung glücklich? Sonst kann es leicht kritisch werden. Vermeiden Sie alles, was mit Problemen zu tun hat – Politik, Religion, Rassismus. Wird doch etwas davon angesprochen, versuchen Sie, das Thema zu wechseln.

Wann darf über Berufliches gesprochen werden?
Vor oder nach dem Essen. Vermeiden Sie es, während der Mahlzeit über Business zu reden. Kommt die Sprache darauf, im Sinne von: «Toll, was für einen Deal wir an Land gezogen haben, lasst uns anstossen», ist das in Ordnung. Aber bleiben Sie auf der Small-Talk-Ebene. Ausserdem sollten Sie während der Mahlzeit nicht zu viele Fragen stellen, sonst kommt Ihr Gegenüber nicht zum Essen.

Darf ich das Smartphone auf den Tisch legen?
Nein! Auch wenn man das heute überall sieht – es ist absolut unhöflich und ein absolutes No-Go. Das Handy gehört in die Tasche, auf lautlos gestellt. Erwarte ich einen wirklich dringenden Anruf, mache ich das transparent und stehe kurz auf, um draussen zu telefonieren. Leider ist das vielen Leuten heute so unbekannt wie die Bestecksprache.

Nur eine Essenspause oder Mahlzeit beendet? Das Besteck gibt Aufschluss.

Bestecksprache?
Machen Sie eine kurze Essenspause, legen Sie das Besteck nicht am Tellerrand ab, sondern kreuzen es auf dem Teller – wobei die Gabelzinken nach unten zeigen. Das Besteck deutet so an, dass Sie eine Pause einlegen. Platzieren Sie hingegen das Besteck nebeneinander rechts im Teller, erkennt geschultes Personal, dass es abräumen kann.

Und wohin gehört die Serviette?
Auch wenn sie ein passabler Schutz vor Flecken ist, wird die Serviette auf keinen Fall als Latz in den Halsausschnitt gesteckt. Sie bleibt aber auch nicht die ganze Zeit neben dem Teller liegen, was ich vor allem im Geschäftsumfeld und bei Jüngeren immer wieder beobachte.

Sondern?
Spätestens mit dem Servieren des ersten Gangs legt man die Serviette einmal gefaltet auf den Schoss. Verlässt man kurz den Tisch, gehört sie, locker zu einem Dreieck gefaltet, links neben den Teller – und nicht über oder auf den Stuhl. Vor dem Trinken tupfen Sie sich mit der Serviette die Lippen ab, um unschöne Fettränder oder Lippenstiftspuren am Glas zu vermeiden. Dazu benutzen Sie die Innenseite der gefalteten Serviette, damit das Gegenüber nicht die einzelnen Menügänge ablesen kann. Am Schluss wird die Serviette nicht zusammengeknüllt, sondern locker zu einem Rechteck gefaltet, links neben den Teller gelegt. Ausserdem sollten Sie auf Ihre Haltung achten.

Hände gehören auf den Tisch, aber nicht in den Brotkorb

Wie meinen Sie das?
Für viele ist es eine Herausforderung, längere Zeit gerade zu sitzen. Während des Essens heisst es jedoch: Haltung bewahren! Dabei sollten Sie aufrecht und eine Handbreit vom Tisch entfernt sitzen. Die Hände dürfen bis zum Handgelenk auf den Tisch gelegt werden – für Ellbogen ist dieser Bereich absolut tabu. Apropos Hände: Sie gehören zwar auf den Tisch, aber nicht in den Brotkorb. Davon hält man sich am besten fern, auch wenn der Magen noch so knurrt: Brot und Butter sind Teil der Vorspeise. Wird ein Brötchen gereicht, brechen Sie es in kleine mundgerechte Stücke und schneiden es auf keinen Fall mit dem Messer.

Und wer bezahlt?
Als Gastgeberin begleichen Sie selbstverständlich die Rechnung. Sind Sie aber eingeladen, machen Sie keine Anstalten, sich an der Rechnung zu beteiligen oder diese zu übernehmen. Das wäre dem Gastgeber gegenüber unhöflich. Anders verhält es sich bei einem spontanen Essen mit Kollegen oder Partnern, bei dem keine konkrete Einladung vorausgegangen ist: Hier teilt man sich die Rechnung.


Zur Person
*Monika Seeger ist Inhaberin der Imagenow GmbH. Sie bietet branchen- und funktionsübergreifend Beratungen und Ausbildungen an rund um das Thema Auftrittskompetenz.

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