«Der letzte Tag im alten Job wird oft unterschätzt»

08.02.20


Rundmail verfassen, Schreibtisch aufräumen, Daten löschen: Wie verlässt man seine alte Arbeitsstelle am besten? Knigge-Expertin Susanne Abplanalp* über Abschiedsapéros und die Kunst, ein stimmiges Ende zu finden.



Redaktion/Interview: etextera, Agentur für Text und Design

Frau Abplanalp, weshalb ist der letzte Tag im alten Job so wichtig?
Er wird häufig unterschätzt. Beim ersten Tag im neuen Job will man nichts falsch machen, dem letzten Tag hingegen schenken wir oft zu wenig Beachtung. Nicht umsonst heisst es: «Zum Neuanfang braucht es ein gutes Ende.» Das gilt auch für den beruflichen Alltag.

Was meinen Sie damit?
Man könnte auch sagen: Der erste Eindruck zählt, der letzte Eindruck bleibt. Im Berufsleben kreuzen sich die Wege oft, vielleicht bewirbt man sich später sogar mal wieder im alten Unternehmen. Umso wichtiger ist es, beim Verlassen der Firma ein stimmiges Ende zu finden – das gilt für Beziehungen genauso wie für Projekte.

Spielt es dabei eine Rolle, ob ich gekündigt habe oder ob mir gekündigt wurde?
Eigentlich nicht. Auch wenn ich mich unfair behandelt fühle, sollte ich trotzdem alles stilvoll beenden und mich neutral verhalten.

Gegenüber alten Kollegen nicht mit dem neuen Job angeben

Was konkret ist wichtig?
Schreibtisch aufräumen und Daten löschen sollte selbstverständlich sein. Aber auch nicht lästern, keine negativen Dinge ausplaudern oder keine vertraulichen Infos preisgeben gehört dazu. Ausserdem sollten Sie sich gegenüber Ihren alten Kollegen nicht mit dem neuen Job und dem womöglich höheren Gehalt brüsten – das macht die Zurückbleibenden zu Verlierern. Natürlich dürfen Sie sich freuen – aber nicht angeben.

Wen sollte ich wann benachrichtigen?
Sprechen Sie mit der Personalabteilung ab, wie Sie vorgehen und welche Reihenfolge einzuhalten ist. Wichtig ist auch, die Kunden zu informieren. Idealerweise gehen Sie zusammen mit dem Vorgesetzten dort vorbei und präsentieren auch gleich Ihren Nachfolger. Doch auch das muss mit der Geschäftsleitung abgestimmt sein. Gut kommt es an, wenn die Firma über den Abgang informiert und nicht Sie selbst. Eine Kündigung ist nämlich oft mit Unsicherheit bei den Zurückbleibenden verbunden: Wird die frei werdende Stelle ersetzt oder gestrichen? Wer ist der Nachfolger? Dies alles kann der Vorgesetzte bei dieser Gelegenheit verkünden.

Was sollte man auf jeden Fall vermeiden?
Die Kündigung lange geheim halten, gar nicht informieren oder erst am allerletzten Tag. Dies hinterlässt bei Kollegen ein komisches Gefühl – vielleicht hätte sich der eine oder andere ja gerne persönlich verabschiedet.

Ein Abschiedsmail verschicken – muss das sein? Und was sollte darin stehen?
Dies wird von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich gehandhabt und ist nicht immer gern gesehen. Deshalb gilt hier ebenfalls: mit der Personalabteilung absprechen, auch was Inhalt und Verteiler angeht. Generell ist informieren aber immer gut, denn zu wenige Infos lassen nur unnötig Raum für Spekulationen.

Häufig verläuft der Abschied sehr geringschätzig

Neben dem abgehenden Mitarbeitenden steht also auch der Arbeitgeber in der Pflicht?
Ja, auf jeden Fall. Am Anfang investiert das Unternehmen sehr viele Ressourcen, um den Mitarbeitenden zu gewinnen, am Ende jedoch verläuft der Abschied häufig sehr geringschätzig. Dabei geht es hier auch um ein Signal für die verbleibenden Mitarbeiter. Diese fragen sich sonst: «Nun wird die Kollegin nicht mal gewürdigt, obwohl sie seit zehn Jahren im Unternehmen war?»

Wann könnte solch eine Würdigung stattfinden?
Zum Beispiel wenn der Vorgesetzte über die Kündigung informiert oder bei einem Abschiedsapéro. Allerdings sollte auch dieser abgesprochen sein und nicht vom Mitarbeitenden initiiert werden. Ist solch ein Anlass vom Unternehmen nicht gewünscht, würde ich mich als abgehende Mitarbeiterin trotzdem von meinen engsten Kollegen persönlich verabschieden: Noch einmal zum Kaffee treffen oder zumindest am Pult vorbeigehen und Hände schütteln.

Das gilt für den letzten Tag?
Genau. Verabschieden Sie sich möglichst neutral, und bedanken Sie sich bei Vorgesetzten und Kollegen für die gute Zusammenarbeit. Was sich ebenfalls gehört: den Arbeitsplatz aufräumen, geordnet hinterlassen und Dinge wie Schlüssel oder Badge abgeben. Und es vor allem nicht so tun wie jener Mitarbeiter einer Firma, der sich, kurz bevor er das Unternehmen verliess, auf Geschäftskosten noch ein GA bestellte. Dies war unter den zurückbleibenden Kollegen noch lange Thema und hinterliess einen letzten schlechten Eindruck. Da nützt dann auch ein grosser Abschiedsapéro nichts.

 

Zur Person
*Susanne Abplanalp gibt als Geschäftsführerin von Knigge Today seit Jahren ihr Wissen rund um moderne Umgangsformen und den professionellen Auftritt weiter. Ein zentrales Thema ihrer Seminare und Fachbeiträge ist das wertschätzende Verhalten. In über 400 Workshops haben schon mehr als 3000 Teilnehmer von ihrem Know-how profitiert. Zu ihren Kunden zählen zahlreiche  Unternehmen und Weiterbildungsinstitute.

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