Zehn Jahre Selbstständigkeit – fünf Tipps für Neueinsteiger

10.04.20


Zehn Jahre etextera! Die Agentur für Text und Design feiert Geburtstag. Im Interview erzählt Geschäftsführerin Ruth Hardegger-Wickli von wichtigen Meilensteinen und welche Tipps sie Menschen gibt, die ebenfalls den Sprung in die Selbstständigkeit wagen möchten.



Redaktion/Interview: etextera, Agentur für Text und Design

Frau Hardegger-Wickli*, was ist die grösste Erkenntnis aus zehn Jahren etextera?
Wir hatten damals eine gute Nase, auf Homeoffice zu setzen. Die Corona-Krise zeigt, dass wir mit unserem Arbeitsmodell avantgardistisch sind und nun von zehn Jahren Homeoffice-Erfahrung profitieren. Statt überstürzt alles nach Hause verlegen zu müssen, heisst es für uns: business as usual. So können wir dank unserer Erfahrung anderen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

An welche Highlights erinnern Sie sich besonders gerne?
Vor ein paar Jahren rief mich ein Verwaltungsratsmitglied einer regionalen Bank an. Die Bank wollte anlässlich ihres Firmenjubiläums ein Magazin herausgeben. Mit den bestehenden Texten war die Bankleitung total unglücklich, konnte das Problem aber nicht in Worte fassen. Ich wurde zu einer Sitzung mit der Bankleitung eingeladen und hatte den Auftrag, vorgängig ein Kapitel nach unserem Gutdünken aufzuarbeiten. Als ich dieses in der Sitzung zum Lesen verteilte, wurde es im Raum mucksmäuschenstill – bis der Bankleiter plötzlich sagte: «Genauso habe ich mir das vorgestellt!» Kurz: Positive Kundenfeedbacks sind immer wieder aufs Neue ein Aufsteller. Und natürlich auch, wenn Kunden uns weiterempfehlen. Dass wir unser Angebot im Januar auf Grafik und Webdesign ausgebaut haben, ist ebenfalls ein Highlight.

«Unsere schlanke Struktur bewährt sich.»

Was waren Herausforderungen?
Die Aufhebung des Euromindestkurses im Januar 2015 schlug sich extrem stark auf die Auftragslage nieder. Vor allem von der Exportindustrie blieben die Aufträge von einem Tag auf den anderen aus. Aktuell spüren wir natürlich die Corona-Krise – etwa bei Aufträgen für Gastronomie und Hotellerie. Doch wie schon in der Eurokrise bewährt sich auch heute unsere schlanke Struktur. Auch wenn für einige Freelancerinnen mit jüngeren Kindern die aktuelle Situation herausfordernd ist: Diese sind plötzlich die ganze Zeit über zu Hause und müssen bespasst werden.

Angenommen, jemand möchte ebenfalls den Sprung in die Selbstständigkeit wagen: Welche fünf Tipps geben Sie ihm?
1. Schaffen Sie sich vorgängig ein finanzielles Polster. Zu Beginn fallen vor allem Kosten an. Eine finanzielle Reserve gibt Ihnen zudem Luft, falls die Auftragslage anfangs dünn ist.

2. Positionieren Sie sich im Markt, und überlegen Sie: Wieso sollen Kunden zu Ihnen kommen? Was machen Sie anders und besser als die Konkurrenz?

3. Zeigen Sie Durchhaltewillen und Biss, ein Ziel konsequent zu verfolgen. Nebenbei etwas aufzuziehen, funktioniert nicht. Eine Website ist zwar schnell online, auch Drucksachen sind rasch produziert. Doch danach gehts ans Akquirieren – das ist harte Arbeit und braucht viel Zeit und Leidenschaft. Ein grosses Netzwerk ist dabei hilfreich.

4. Werden Sie nervös, wenn Sie nicht wissen, welche Aufträge morgen auf Ihrem Pult liegen und wie viel Geld reinkommt? Falls ja: Lassen Sie es mit der Selbstständigkeit lieber bleiben. Fakt ist: Die Auftragslage schwankt in allen Unternehmen.

5. Damit Sie einen Auftrag erfolgreich von A bis Z durchziehen können, braucht es nebst entsprechenden Qualifikationen auch Leidenschaft. Nehmen Sie daher keine Aufträge nur des Geldes willen an, denn dies schlägt sich im Resultat nieder.

Schlechte Kommunikation schadet dem Image

Hat sich inhaltlich in den Aufträgen der letzten Jahre etwas verändert?
Viele Firmen sind sich mittlerweile bewusst, wie zentral gute Texte sind – um die eigene Fachkompetenz zu untermauern und der Zielgruppe gerecht zu werden. Verrückterweise wird bei Texten trotzdem immer noch fleissig gebastelt und improvisiert. Gilt es zu sparen, muss eher der Text dran glauben als das Design. Doch wer dies macht, vergisst, dass ein fehlerhafter Text viel über die eigene Sorgfalt und das eigene Qualitätsbewusstsein aussagt. Denn auch schlechte Kommunikation zeigt Wirkung – und schadet dem Image.

etextera schrieb sich von Anfang an die Vereinbarkeit von Job und Familie auf die Fahne. Ist dies in all den Jahren gleich geblieben?
Ja. Ausser dass wir früher nur mit Texterinnen zusammengearbeitet haben, heute sind es auch Grafikerinnen und Webdesignerinnen. Die Vereinbarkeit von Job und Familie ist nach wie vor sehr aktuell. Unserer Philosophie sind wir seit Beginn treu und bleiben es auch in Zukunft. Sie hat sich bewährt und scheint bei den Freelancerinnen ein Bedürfnis zu sein. Unser Arbeitsmodell hat sich herumgesprochen. Ich erhalte regelmässig Blindbewerbungen von Frauen – und auch von Männern.

Was ist der Vorteil von etextera im Vergleich zu einer herkömmlichen Agentur?
Je nach Branche und Wunsch des Kunden stellen wir das Projektteam individuell zusammen. Es übernehmen also immer diejenigen passenden Fachfrauen aus Text, Grafik und Webdesign, die über das spezifische Wissen für den jeweiligen Auftrag verfügen. Eine herkömmliche Agentur kann all die unterschiedlichen Bedürfnisse nicht in dieser Form und in diesem Umfang abdecken. Hinzu kommt: Bei etextera zahlt der Kunde dank Homeoffice- und Freelance-Philosophie keine teuren Fix- und Infrastrukturkosten mit. So spart er Zeit und Geld – und fördert damit erst noch top ausgebildete Frauen.

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Zur Person
*Ruth Hardegger-Wickli ist Geschäftsführerin von etextera, der Agentur für Text und Design. Sie schloss ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Marketing sowie das CAS PR-Redaktor ab. Fast 20 Jahre lang war sie in Kommunikation und PR grosser Unternehmen tätig, bevor sie 2010 zusammen mit ihrem Mann die Textagentur etextera gründete. etextera beschäftigt gut ausgebildete Freelancerinnen, die meisten davon arbeiten im Homeoffice.

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