7 Fragen an Thomas Eichenberger

01.09.21


Geschäftsleiter der Fahnenfabrik Sevelen AG

1.   Haben Sie früher gedacht, dass Sie einmal das tun werden, was Sie heute tun?
Überhaupt nicht! Ich war Entwicklungsleiter einer Software-Firma und glücklich in meinem IT-Job, als mich mein Vater vor fast 30 Jahren anfragte, die Fahnenfabrik zu übernehmen. Meine Antwort: «Den ganzen Tag das Thema Schweizerfahnen ist viel zu langweilig». Aber es ist alles andere als langweilig. 

2.   Wie meisterten Sie die Firmenübernahme innerhalb der Familie?
Am letzten Arbeitstag als Angestellter sicherte mir mein Chef zu, dass ich innerhalb von drei Jahren zurückkommen könne. Somit vereinbarte ich mit meinem Vater eine dreijährige Ablösung: Erstes Jahr: lernen. Zweites Jahr: Geschäftsleitung mit Vetorecht. Drittes Jahr: Vater war nur noch Berater. Das klappte wunderbar. 

3.   Wie bringen Sie Familie und Beruf unter einen Hut?
Das ist ein wunder Punkt. Die Fahnenfabrik ist im St. Galler Rheintal und mein Lebensmittelpunkt im Aargau. Montag bis Donnerstag bin ich weg, und dies stellt zeitweise das Familienleben auf die Probe. Wenigstens halte ich die Wochenenden frei und bin in den Ferien für die Firma nicht verfügbar. 

4.   Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?
Am meisten liebe ich die Vielseitigkeit. Die Geschäftsleitung eines KMU ist abwechslungsreich: defekte Nähmaschine, Mitarbeitergespräch oder Finanzprüfung, deine Meinung ist gefragt. Das Fahnenumfeld ist zudem unerwartet herausfordernd, da innovativ und traditionell gleichzeitig. 

5.   Was ist an Fahnen traditionell und was innovativ?
Jede offizielle Fahne ist Tradition und bildgewordene Geschichte – ob Nation, Kanton, Gemeinde oder Familie. Da spielen Heraldik (Wappenkunde) und Vexillologie (Fahnenkunde) eine Rolle. Innovation liegt vor allem in Drucktechniken und Aufhängungen sowie in neuartigen Stoffen, Fäden und Maschinen. 

6.   Ist heutzutage Wappen-Wissen überhaupt noch gefragt?
Stimmt, es wird weniger Wert auf korrekte Fahnen gelegt. Aber wussten Sie, dass die Schweiz den Beitritt zur UNO abhängig davon machte, dass die Schweizerfahne in Genf und New York quadratisch ist? Die Schweizerfahne an Land ist quadratisch – nur die Flagge zur See hat ein Verhältnis von 2:3. 

7.   Gibt es immer noch Innovatives zu berichten aus dem Fahnenumfeld?
Natürlich. Zum Beispiel Hightech-Digitaldruck mit beidseitigen Druckköpfen auf Starkstoff oder höchste Druckqualität auf satte, brandsichere Indoor-Stoffe. Und momentan in abschliessenden Tests, ist ein doppelseitiger, lichtundurchlässiger Stoff für einen Marketingmast mit Elektromotoren und Beleuchtung.

 

Zur Person
Nach seiner kaufmännischen Ausbildung hat sich Thomas Eichenberger zum Analytiker und Programmierer weitergebildet und in der IT gearbeitet. Im Jahr 1994 kam dann alles anders. Er übernahm von seinem Vater die Fahnenfabrik Sevelen AG. Seit 1998 ist er Geschäftsleiter des Unternehmens. Die Fahnenfabrik ist eine der letzten Nähereien in der Schweiz, insbesondere in Sachen Fahnen. Die Fachleute realisieren vor allem Projekte, die nicht 08/15-Massenware aus Fernost sind. Es sind umweltbewusste, ökologische und nachhaltige Fahnen, in Kunsthandwerk gefertigt oder als innovative Stoffdrucke. Daraus entstehen Marketing- und Firmenfahnen für drinnen und draussen sowie internationale, Schweizer, Kantons- und Gemeindefahnen. Aber auch Vereinsfahnen, Fahnen mit Familienwappen oder eigenen Sujets.

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