Wissen28.08.2026
Infografik erstellen: So gelingts
Visuelle Information wird schnell verarbeitet – und bleibt lang im Gedächtnis. Gezielt eingesetzt sind Infografiken ein mächtiges Werkzeug in der Kommunikation. Wir zeigen Ihnen, was Sie beim Erstellen einer Infografik beachten sollten.

Komplexes einfach erklärt: Infografiken verwandeln komplizierte Daten und Zusammenhänge in verständliche, ansprechende und teilbare Inhalte. Studien zeigen, dass wir visuelle Inhalte viel schneller erfassen und verstehen als reinen Text. Sie bleiben auch länger im Gedächtnis – unter anderem darum, weil wir sie direkt mit Emotionen und Erfahrungen verknüpfen. In der Fachsprache nennt man das den Bildüberlegenheitseffekt, der Volksmund weiss das schon lang: Ein Bild zählt bekanntlich mehr als 1000 Worte.
All das macht Infografiken zum unverzichtbaren Werkzeug, um Botschaften klar und einprägsam zu vermitteln – in einer Präsentation, im Jahres- und Geschäftsbericht oder im Kundenmagazin.
Doch Vorsicht: Eine schlecht gestaltete Infografik kann mehr verwirren als aufklären. Hier sind die wichtigsten Punkte, die Sie beim Erstellen von Infografiken beachten sollten.
1. Ziel definieren: Was soll die Infografik leisten?
Bevor Sie mit dem Design beginnen, fragen Sie sich:
- Wen soll die Infografik ansprechen (z. B. Kund:innen, Mitarbeitende, Investor:innen)?
- Was soll die Infografik vermitteln (z. B. Prozesse, Statistiken, Vergleiche)?
- Wo erscheint die Infografik (z. B. Website, Geschäftsbericht, Social Media)?
2. Daten gezielt wählen: Was ist die Botschaft?
Infografiken leben von präzisen Daten. Doch damit sie Ihre Botschaft wirklich transportieren, ist weniger ist oft mehr:
- Beschränken Sie sich auf 3 bis 5 Kernbotschaften. Alles andere überfordert den Betrachter.
- Nutzen Sie verlässliche Quellen und geben Sie diese an (z. B. BFS, SECO, Branchenstudien). Beispiel: «Laut Bundesamt für Statistik (BFS) stieg der Online-Handel in der Schweiz 2025 um 12 %.»
- Visualisieren Sie nur, was relevant ist. Die Faustregel lautet: ein Diagramm pro Botschaft.
3. Design: Klarheit vor Kreativität
Eine gute Infografik ist intuitiv verständlich. Hier die wichtigsten Designregeln:
Farben und Schriften
- Nutzen Sie maximal 5 Farben und achten Sie auf ausreichend Kontrast für Barrierefreiheit.
- Farbcodierungen sollten konsistent sein (z. B. immer Grün für Wachstum, Rot für Rückgang).
- Vermeiden Sie Serifenschriften in digitalen Infografiken – sie sind auf Bildschirmen schwerer lesbar.
Layout und Struktur
- Führen Sie den Blick: Nutzen Sie Pfeile, Linien oder eine klare Leserichtung (z. B. von oben nach unten).
- Weissraum ist Ihr Freund. Überladene Infografiken wirken unprofessionell.
- Gut zu wissen: Die «F-Form» (wichtige Infos oben links) funktioniert besonders gut für westliche Leser:innen.
Diagramm
- Wählen Sie das richtige Diagramm. Ein Balkendiagramm ist perfekt für Vergleiche, ein Netzwerkdiagramm für die Darstellung von Lieferketten. Eine gute Übersicht finden Sie in den Leitlinien der Financial Times.
Ganz wichtig: Achten Sie darauf, dass die Infografik Ihrem Corporate Branding entspricht.
4. Storytelling: Daten in eine Geschichte verpacken
Auch wenn es auf den ersten Blick um reine Daten und Fakten geht: Die besten Infografiken erzählen eine Geschichte. Holen Sie die Betrachter:innen mit einer spannenden Aussage ab – und nehmen Sie mit auf eine Reise durch Ihre Datenwelt. Ein gutes Format für Storytelling per Infografik ist Scrollytelling: Hier sind Infografiken nicht einfach informatives Beigemüse, sondern eigenständige Erzählmittel, die Leser:innen und Betrachter:innen abholen.
5. Infografiken mit KI erstellen – ja oder nein?
Sie müssen heute kein Designer sein, um Infografiken zu erstellen. Mit Einsteigertools wie Canva können Sie innert Sekunden KI-gestützte Visuals erstellen. Auch Claude, ChatGPT und Gemini erstellen in Ihrem Auftrag schnell eine Infografik. Diese sieht auf den ersten Blick meist beeindruckend professionell aus. Doch:
- Stimmen die Zahlen und Fakten? KI halluziniert bekanntlich gern – prüfen Sie daher jedes Detail auf Korrektheit.
- Entspricht das Grafikdesign auch wirklich Ihrer Markenwelt? Damit sind nicht nur Farben und Fonts gemeint – die gesamte visuelle Sprache muss Ihrer Identität entsprechen.
- Ist die KI-generierte Infografik barrierefrei? Professionelle Grafiker wissen, wie sie Barrierefreiheit garantieren.
- Erfüllen Sie mit der Publikation einer KI-generierten Infografik die Transparenzpflicht gemäss dem EU-KI-Gesetz? Umfragen zeigen, dass Konsument:innen KI-erstellten Inhalten zunehmend negativ gegenüberstehen. Verliert Ihre Zielgruppe durch die KI-Kommunikation womöglich das Vertrauen in Ihre Marke?
Infografiken, die wirken
Eine gelungene Infografik ist klar, präzise und zielgerichtet. Sie kombiniert Daten mit Design, macht komplexe Inhalte verständlich und sorgt dafür, dass Ihre Inhalte in guter Erinnerung bleiben. Für Schweizer KMUs sind sie ein mächtiges Werkzeug, um sich von der Konkurrenz abzuheben – vorausgesetzt, sie ist gut durchdacht und professionell erstellt.
FAQ: Infografiken – häufige Fragen und Antworten
Warum sind Infografiken so effektiv?
Infografiken kombinieren visuelle Elemente mit Daten und Texten, um komplexe Informationen schneller und nachhaltiger zu vermitteln. Studien zeigen, dass wir visuelle Informationen 60 000-mal schneller verarbeiten als reinen Text. Zudem behalten Menschen nach drei Tagen 65 Prozent der visuellen Inhalte im Gedächtnis – im Vergleich zu nur 10 bis 20 Prozent bei reinem Text.
Welche Diagramme eignen sich für welche Daten?
| Zweck | Empfohlenes Diagramm | Beispiel |
|---|---|---|
| Vergleiche | Balkendiagramm | Umsatz nach Quartalen |
| Anteile/Prozente | Kreis- oder Ringdiagramm | Marktanteile von Wettbewerbern |
| Entwicklungen über Zeit | Linien- oder Flächendiagramm | Wachstum der letzten 5 Jahre |
| Verteilungen | Histogramm | Altersverteilung der Kund:innen |
| Beziehungen | Netzwerkdiagramm | Lieferketten oder Organigramme |
Quelle: FT Visual Vocabulary
Wie gross sollte eine Infografik sein?
Die ideale Grösse hängt vom Verwendungszweck ab:
- Social Media (z. B. Instagram, LinkedIn): 800–1200 Pixel Höhe (für vertikale Formate wie Stories: 1080×1920 Pixel).
- Blog oder Website: 1200–2000 Pixel Höhe, um alle Informationen klar darzustellen.
- Print (z. B. Flyer, Poster): mindestens 300 DPI (dots per inch) für hochauflösende Drucke.
Faustregel: Halten Sie die Infografik so knapp wie möglich, aber so ausführlich wie nötig. Maximal 5 bis 7 Kernbotschaften pro Grafik.
Welche Farben und Schriften sollte ich verwenden?
Farben
- Maximal 5 Farben pro Infografik
- Kontraste beachten: dunkle Texte auf hellem Hintergrund (oder umgekehrt) für gute Lesbarkeit
- Farbcodierung konsistent halten (z. B. immer Grün für Wachstum, Rot für Rückgang)
- Tool-Tipp: Adobe Color für harmonische Farbkombinationen
Schriften
- Maximal 2 Schriftarten: eine für Überschriften, eine für Fliesstext
- Serifenlose Schriften (z. B. Arial, Helvetica) für digitale Infografiken – sie sind auf Bildschirmen besser lesbar.
- Schriftgrössen hierarchisch gestalten: Titel: 24–30 pt, Untertitel: 18–22 pt, Fliesstext: 12–14 pt
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