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«Nicht mehr ständig schauen, was in den sozialen Netzwerken läuft»

20.05.15


Um Smartphone-Nutzer zu motivieren, öfter das Handy beiseite zu legen, hat ein junges Schweizer Start-up die App «Shut The Fuck Up» (STFU) entwickelt. Mit-Gründer Mirco Fehr* über Kino-Gutscheine als Belohnung für offline verbrachte Zeit und weshalb STFU für Firmen ein interessantes Marketingtool ist.

Redaktion/Interview: Text- und Übersetzungsagentur etextera

Herr Fehr, wie oft haben Sie heute schon auf Ihr Handy geschaut?

Bestimmt 30 Mal. Pro Tag habe ich es wahrscheinlich 90 Mal in der Hand.

Damit dürften Sie mit der von Ihnen entwickelten App nicht gerade viele Punkte sammeln.

Doch, ich bin sogar ziemlich gut darin, weil ich mein Handy zwar oft benutze, trotzdem aber nicht ständig online bin.

Das müssen Sie genauer erklären.

Wir schauen fast 100 Mal am Tag auf unser Smartphone, ohne dabei wesentlich Neues zu erfahren. Oft greifen wir aus Langeweile zum Handy oder weil wir eine der vielzähligen aber nicht wirklich wichtigen Benachrichtigungen erhalten. Unsere App will User deshalb belohnen, bewusst offline zu gehen und Zeit im realen Leben zu geniessen. Dazu lädt sich der Benutzer STFU einfach runter und stellt sein Handy auf Flugmodus. Ab diesem Zeitpunkt misst die App die offline verbrachte Zeit. Zwar kann man so noch Fotos machen aber nicht mehr ständig E-Mails checken oder schauen, was in den sozialen Netzwerken läuft. Geht man wieder online, wird die Zeit gestoppt.

Mit Hilfe der App sich wieder auf Gespräche konzentrieren

Gemessen wird also die Zeit, in der man im Flugmodus ist?

Genau. Momentan zumindest noch. Wir würden zwar gerne versuchen, das manuelle Einschalten zu umgehen, aber das ist technisch nicht so leicht.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Mit-Gründer Danijel Sljivo und ich sind gute Freunde. Wir sassen öfters zusammen und überlegten, was für ein Start-up wir aufziehen könnten. Dabei merkten wir, dass wir ständig unterbrochen wurden, weil immer einer auf sein Handy starrte. So wurde die Idee geboren: Wir wollten uns wieder auf das eigentliche Gespräch konzentrieren.

Wieviel Zeit lag zwischen Idee und Umsetzung?

Etwa neun Monate. Drei Monate nach der Idee stellten wir fest: Wir finden sie immer noch gut – und legten los. Nach 100 Tagen erfolgreichem Crowdfunding, bei dem wir 10'000 Franken erzielten, und drei Monate Programmieren, ist nun die erste Version von STFU für Android verfügbar. Und wir können testen: Wie benutzen User die App? Wann nutzen sie diese?

Wird die App angenommen?

Ja, überaus gut. In wenigen Tagen gab es schon über 2000 Downloads – international, nicht nur in der Schweiz. Das Feedback, das User direkt in der App hinterlassen können, ist sehr gut; und im Store sind wir mit 4,7 Sterne von 5 bewertet. Für die nächste Version, die es auch für Apple in iOS geben soll, suchen wir nun Investoren. Zudem verhandeln wir gerade mit Kooperationspartnern. Momentan kann man mit der App die offline verbrachte Zeit messen und wird mit virtuellen Auszeichnungen belohnt, sogenannten Awards, bzw. Badges. In Zukunft aber bieten wir dem User für jede mit STFU offline verbrachte Minute einen realen Gegenwert an.

Vergünstigungen für Kino, Restaurants oder Reisen als Anreize

Was schwebt Ihnen da vor?

Es soll natürlich in den Kontext passen. Gutscheine oder Rabatte für Reisen kann ich mir gut vorstellen, aber auch Vergünstigungen für Kino, Restaurants, Sport und andere Freizeitaktivitäten. Kurz: Alles, was im realen Leben stattfindet.


Was macht Sie so sicher, dass solche Anreize genügen, die Leute vom Smartphone wegzubekommen?

Dafür spricht zumindest, dass die Leute jetzt schon mitmachen – obwohl es bisher lediglich virtuelle Anreize gibt. Von daher sind wir überzeugt, dass STFU mit coolen Brands noch viel besser angenommen wird.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Bis dahin haben wir hoffentlich ein tragfähiges Geschäftsmodell aufgebaut. Wir sehen uns als international ausgerichtetes, dynamisches Start-up, das die Kompetenz hat, User mit interessanten Brands zusammen zu bringen. Mit STFU schaffen wir in Marketingtool. Wir verdienen für die Überführung des Kunden zur Marke eine kleine Provision; die App selbst wird kostenlos bleiben. Denn das Ganze soll vor allem Spass machen.


Zur Person:

*Mirco Fehr und Danijel Sljivo sind die Gründer der App STFU (Shut the fuck up). Sie kennen sich seit dem Studium und haben zusammen in einer Werbeagentur in Zürich gearbeitet. Beide haben ein BWL Studium absolviert und Erfahrungen in den Bereichen Strategie, Marketing, Werbung, Event Management, Business Development und der Gründung von Start Ups gesammelt.

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