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«Je jünger die Nutzer, umso mehr tendieren sie zu Festpreisangeboten»

02.04.15


ricardo.ch ist laut einer Studie der Universität St. Gallen die beliebteste Schweizer Online-Shopping-Plattform. Geschäftsführer Yves Mäder* über junge Leute, die zunehmend die Lust an Auktionen verlieren, neue Geschäftsfelder und einen gerade ersteigerten Apfelschneider.

Redaktion/Interview: Text- und Übersetzungsagentur etextera

Herr Mäder, was haben Sie zuletzt auf ricardo.ch erstanden oder verkauft?

Letzten Sonntag habe ich einen Apfelschneider ersteigert, zum Fruchtsalat machen. Und mein letzter Verkauf, das war – warten Sie mal – ja, ein Like-a-Bike. Denn meine Jungs sind aus dem Alter raus.

Was ist Ihr wichtigster Tipp an Käufer und Verkäufer?

Genau schauen: Wer ist der Verkäufer? Wie sieht sein Bewertungsprofil aus? Hat er bereits mehrere Transaktionen gemacht? Wie wurde er beurteilt? Bei Produkten sollte man sich die Fotos genau anschauen und lieber einmal mehr nachhaken. Das wichtigste aber ist: Den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Natürlich gibt es Schnäppchen; aber klingt ein Angebot zu gut, um wahr zu sein, sollte man hellhörig werden. Pro Tag haben wir 20’000 Transaktionen, und in 99,9 Prozent der Fälle geht auch alles glatt. Doch Betrüger gibt es immer, und wir liefern uns ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel. In Zukunft werden wir deshalb noch einiges mehr in die Sicherheit investieren.

Konzentration auf den lokalen Markt

ricardo.ch ist die beliebteste Schweizer Online-Shopping-Plattform und gehört zu den zehn meistgenutzten Internetseiten der Schweizer. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Universität St. Gallen. Was machen Sie besser als Konkurrent eBay Schweiz, der nur einen kleinen Bruchteil des ricardo-Umsatzes erwirtschaftet?

Wir sind sehr stolz auf unsere Erfolge und die 15 Jahre, die wir nun im Schweizer Markt sind. eBay ist erst vier Jahre später hier gestartet und hat deshalb von Anfang an einen gewissen Rückstand gehabt. Ausserdem haben wir uns schon immer auf den lokalen Markt konzentriert und auch auf die Mehrsprachigkeit – was andere Mitbewerber nicht machen. Unser komplettes Angebot stammt also aus der Schweiz. Grenzüberschreitender Handel und sämtliche damit verbundene Probleme gibt es bei uns nicht. Hinzu kommt: Hat man erst mal eine gewisse Grösse erreicht, ist es einfach. Heute haben wir 2,3 Millionen Mitglieder und sind die grösste Online-Shopping-Plattform. Das wissen Käufer und Verkäufer und kommen automatisch zu uns.

Junge Leute scheinen allerdings zunehmend keine Lust mehr auf tagelang dauernde Auktionen zu haben, sondern wollen lieber sofort kaufen.

Ja, da gebe ich Ihnen Recht. Generell geht der gesellschaftliche Trend zum «jetzt» und «sofort». Je jünger die Nutzer sind, umso mehr tendieren sie zu Festpreisangeboten. Schliesslich besteht bei Auktionen immer auch das Risiko, zum Schluss mit leeren Händen da zu stehen.

Auktionen wird es immer geben

Ist die klassische Auktionsplattform damit am Ende?

Nein, ich bin überzeugt, die wird es immer geben. Schliesslich bieten Auktionen den Vorteil, Artikel zum tatsächlichen Marktpreis kaufen oder verkaufen zu können. Wer etwa einen Tripp-Trapp-Stuhl für den Nachwuchs braucht, sucht oft nicht einen nagelneuen und hat meist auch Zeit, die Auktion abzuwarten. Auktionen sind und bleiben unser Kerngeschäft. Fakt ist aber auch, dass wir in diesem Bereich fast kein Wachstum mehr erzielen. Dies schaffen wir stattdessen im Festpreissegment.

Sie meinen das Portal ricardoshops.ch, auf dem professionelle Händler ihre Neuwaren anbieten?

Ja, aber nicht nur. Auch auf ricardo.ch bieten vermehrt gewerbliche Händler aus dem KMU-Bereich ihre Produkte an. Gross geworden sind wir natürlich mit C2C-Geschäften, als Internetaktionshaus. Diese machen auch heute noch 60 Prozent unseres Geschäftes aus. Wachsen können wir aber nur noch im professionellen B2B-Geschäft.

Im Februar hat Tamedia ricardo.ch übernommen. Was bedeutet dies für die Plattform?

Für uns werden sich dadurch sicher spannende Möglichkeiten bieten, weil Tamedia in der Schweiz ein grosses Netzwerk hat – anders als unser früherer Besitzer, der südafrikanische Konzern Naspers. Aber zunächst gilt es abzuwarten, bis die Wettbewerbskommission ihren Segen dazu erteilt.

Wo sehen Sie ricardo.ch in fünf Jahren?

Das ist im E-Commerce eine lange Zeit. Bis dahin werden wir aber unser Angebot sicher noch stärker auf die Bedürfnisse von Mobile-Nutzer ausgerichtet haben – etwa indem sich die Webseite jeweils automatisch an die Screen-Grösse anpasst. Transaktionen werden noch sicherer sein, und es wird neue innovative Zahlungsmethoden geben. Ausserdem gehe ich davon aus, dass wir auch in fünf Jahren zu den beliebtesten Websites der Schweiz gehören.


Zur Person:

*Yves Mäder ist seit 2013 Geschäftsführer von ricardo.ch und unterstützt somit den CEO der ricardo-Gruppe bei der strategischen Weiterentwicklung und Stärkung des grössten Schweizer Online-Marktplatzes. Mäder kam von Tamedia, wo er die Leitung der Jobup AG innehatte und unter anderem den Zusammenschluss der Online-Stellenmärkte von Tamedia und Edipresse durchführte. Zuvor war Yves Mäder rund fünf Jahre für eBay in der Schweiz tätig, zuletzt als Geschäftsführer für das Schweizer Geschäft.
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