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«Ohne Grosseltern geht es nicht»

26.08.14


In diesen Tagen erscheint die erste Ausgabe des neuen Magazins «Grosseltern». Nicht nur in der Schweiz, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum ist es das Erste seiner Art. Verleger und Erfinder Dominik Achermann* über eine bisher unterschätzte Zielgruppe.

Redaktion/Interview: Text- und Übersetzungsagentur etextera

Herr Achermann, wie fühlen Sie sich kurz bevor Ihr Magazin «Grosseltern» das Licht der Welt erblickt?

(lacht) In meinem Büro hängt eine Karte mit einer Achterbahn, die spiegelt das momentane Stimmungsbild ziemlich gut: Einerseits freuen wir uns riesig, andererseits sind wir verunsichert, ob das auch alles passt, was wir vorhaben. Kurz: Wir sind sehr nervös. Aber das ist gut so.

Wie kamen Sie darauf, ein Magazin für Grosseltern zu lancieren?

Die Idee entstand vor sieben Jahren im Rahmen einer Projektarbeit, die ich während meiner Ausbildung zum Medienmanager machte. Ich hatte ein Konzept für eine Publikation zu präsentieren, die auf eine klar definierte Zielgruppe fokussiert war. Mein Sohn war damals ein Jahr alt, und ich staunte immer wieder, wie viele Emotionen er bei seinen Grosseltern auslöste. «Das hat Potenzial für ein Printprojekt», sagte ich mir.

Erstmal setzten Sie das Konzept aber nicht um.

Nein. Erst als ich komplett die Geschäftsführung des väterlichen Verlages übernahm und mein Vater ganz ausstieg, drückte ich ihm mein Konzept in die Hand. Er nahm sich dafür zwei Monate Zeit, recherchierte ausgiebig und kam trotz anfänglicher Skepsis zu dem Schluss, dass es funktionieren könnte.

Die jungen Alten wollen mehr sein als nur Besuchsoma oder -opa

Was ist die Idee dahinter?

Grosseltern sind heute eine wichtige sozial-politische Einrichtung, wenn es darum geht, Beruf und Familie zu vereinbaren. Denn Oma und Opa kosten nichts, haben keine Schliesszeiten und sind flexibel. Über 50 Prozent aller fremdbetreuten Vorschulkinder in der Schweiz werden von Grosseltern gehütet. Gleichzeitig wird die gemeinsame Lebensphase von Grosseltern und Enkeln immer länger. Die jungen Alten wollen dabei mehr sein als nur Besuchsoma oder -opa: Sie verbringen mehr Zeit mit ihren Enkeln als früher, ihr Kontakt ist persönlicher und sie kommen besser miteinander aus. Dies hat 2006 die bislang grösste Untersuchung zum Verhältnis der beiden Generationen in der Schweiz ergeben.

Und weshalb glauben Sie an den wirtschaftlichen Erfolg des Magazins?

Weil ich überzeugt bin, dass es für unsere Publikation einen Lesermarkt gibt. Wenn eine Generation noch gerne Print liest, dann die der heutigen Grosseltern. Zudem sprechen wir als Zielgruppe die jungen Alten an – die vielleicht noch aktiv im Beruf stehen, sich aber trotzdem Zeit für Enkel nehmen wollen. Diese so genannten «Best Ager» sind auch für die Werbung eine interessante Zielgruppe. Normalerweise sind sie schwer zu erreichen, weil sie sich selbst noch nicht als Senioren sehen. Und genau hier liegt unser Vorteil: Während Seniorenmagazine von der Tendenz her eher defizitorientiert sind, bieten wir ein ganz anderes Umfeld. Das Bild der Grosseltern hat sich nämlich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt und ist heute eines der wenigen positiv besetzten Altersbilder.

«Mach es, aber mach es jetzt»

Nun sind Sie für das Projekt ein gewisses Risiko eingegangen: Kündigten ihren Job als Verlagsleiter und gründeten den Start-up Verlag 3G Media GmbH, der das Magazin finanziert – mit Kapital, das Sie persönlich eingeschossen haben.

Das stimmt. Für mich gab es aber zwei Schlüsselerlebnisse, die mich bestärkten: Zum einen die Tatsache, dass der Coop Hello Family Club in unserem Projekt ebenfalls Potenzial sieht und uns bei der Lancierung unterstützt. Zum anderen den Rat eines Freundes aus dem HR-Bereich, den ich gefragt habe, wie er es einschätze, wenn ich mit 41 aus dem Job ausscheiden und eventuell nach zwei Jahren – falls das Projekt scheitert – wieder auf Jobsuche gehen muss. Seine Antwort lautete: «Mach es, aber mach es jetzt.» Daraufhin habe ich gekündigt. Chefredaktor Georg Gindely und Redaktorin Melanie Borter sowie mein Vater waren damals bereits an Bord. Sie schluckten zwar leer, als sie von meinem Schritt hörten – kündigten daraufhin aber ebenfalls. Seit März sind wir nun am Arbeiten.

Aus welchen Branchen wollen Sie Inseratekunden ansprechen?

Bereits gewinnen konnten wir Unternehmen aus der Finanzbranche, etwa die UBS, ausserdem Reiseveranstalter sowie Firmen aus dem Gesundheits- und Pharmabereich.

Und wie viele Abos haben Sie bereits verkauft?

Bisher rund 300. Was gut ist, angesichts der Tatsache, dass es uns ja noch gar nicht gibt. Unser ehrgeiziges Ziel ist es, im Schnitt 300 Abonnenten pro Monat zu gewinnen, so dass wir nach einem Jahr 3000 bis 3500 Abonnenten haben. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass die mittlere Generation gerne solch ein Abo verschenkt – als Dankeschön an die Grosseltern ihrer Kinder.

Geschichten aus der Sicht der Grosseltern

Auf welche Geschichten können sich die Leser im ersten Heft freuen?

Unsere Firma heisst 3G Media, was stellvertretend für die drei Generationen steht, die wir inhaltlich im Fokus haben. Unsere Geschichten werden dabei stets aus der Sicht der Grosseltern erzählt. Dabei wollen wir jedoch nicht belehren, sondern vielmehr mit Tipps zur Seite stehen. In der ersten Ausgabe bringen wir zum Beispiel eine spannende Fotoreportage über drei Generationen, die den Sommer über auf einer Alp leben. Aber auch Schweres hat Platz: Die Geschichte einer Grossmutter etwa, deren Enkel an Krebs gestorben ist, und die darüber nun ein Buch geschrieben hat. Ausserdem finden sich im Heft Ausflugtipps, sowie ein Dossierteil, in dem es darum geht, was man beachten muss, wenn man zum ersten Mal Grosseltern wird. Regelmässig im Magazin wird es auch Berichte von Grosseltern geben, die im Ausland leben oder von Prominenten, die sich an ihre Grosseltern erinnern.

Was sind Ihre Visionen?

Erstmal geht es natürlich darum, Abos zu verkaufen. Irgendwann könnte ich mir aber auch eine Expansion in die französische Schweiz vorstellen. Oder nach Österreich oder Deutschland. Interessenten gäbe es dafür zumindest schon. Aber das liegt momentan wirklich noch in weiter Zukunft.


Zur Person:

*Dominik Achermann ist ehemaliger Geschäftsführer der p.a.media, die unter anderem die Magazine «Women in Business» und «Home Electronics» herausgibt. Achermann hat das am 29. August 2014 zum ersten Mal erscheinende Magazin «Grosseltern» lanciert, für das er den Verlag 3G Media mit Sitz in Baden gegründet hat. Das Magazin wird zehn Mal jährlich publiziert und mit einer Auflage von 20'000 Exemplaren bis zu 50'000 Grosseltern in der deutschsprachigen Schweiz erreichen. Zielgruppe sind Personen zwischen 50 und 75 Jahren, die mit fundierten Beiträgen aus der Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie unterhalten werden sollen. Ausserdem finden sich im Heft Reportagen, Kolumnen, Freizeittipps und ein Ratgeberteil rund um Gesundheit, Finanzen, Ernährung und Technik. www.grosseltern-magazin.ch
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