«Nutzen wird in Zukunft wichtiger als Eigentum»

01.03.22


Sharing Economy hält immer mehr Einzug im Arbeitsalltag – zum Beispiel in Form von Co-Travelling und Co-Working. Anita Kirchberg, Leiterin B2B bei Mobility, erzählt von teuren Fixkosten bei firmeneigenen Fahrzeugen und weiss, wie der Ausweg für Unternehmen aussehen könnte.


Redaktion/Interview: etextera, Agentur für Text und Design

Frau Kirchberg, was steckt hinter dem Begriff Sharing Economy?
Der Begriff steht für das systematische Ausleihen von Gegenständen und das gegenseitige Bereitstellen von Räumen, Flächen oder Fahrzeugen. Die Ökonomie des Teilens ist in den letzten Jahren zu einem Trend geworden. Ziel dabei ist es, Ressourcen effizient und zugleich schonend zu nutzen, dem Konsum etwas entgegenzusetzen. Die Idee dahinter lautet: Man muss nicht alles besitzen, sondern teilt lieber. Dies betrifft die unterschiedlichsten Bereiche. 

Statt ein eigenes Büro zu besitzen, miete ich mich also nach Bedarf in ein Co-Working-Space ein, leihe mir ein Hochzeitskleid, eine Bohrmaschine oder miete ein Auto?
Genau. Beschleunigt wurde das Ganze durch die digitale Transformation sowie die daraufhin entstandenen Apps und Plattformen. Diese ermöglichen ein schnelles Vernetzen und Teilen. Allerdings hat die Entwicklung auch Grenzen. 

Inwiefern?
Studien zeigen, dass der Sharing-Gedanke in der Schweiz bisher noch nicht so gut funktioniert – zumindest wenn Eigentum im Spiel ist. Anders gesagt: Dinge, die Menschen besitzen, teilen sie nicht gerne mit anderen. Zu gross sind die Befürchtungen, dass diese beschädigt zurückkommen. Beim Carsharing-Angebot von Mobility hingegen ist dies anders: Die Autos gehören zum Eigentum von Mobility und sind nicht im Besitz der Nutzenden. Deshalb funktioniert das Konzept sehr gut.

Das eigene Auto hat an Bedeutung verloren

Mobility feiert in diesem Jahr den 25. Geburtstag. Wie hat sich die Nachfrage der Kundinnen und Kunden über diese Zeit verändert?
Sie hat vor allem stark zugenommen. Das eigene Auto hat über die Jahre immer weiter an Bedeutung verloren und ist heute für viele kein Statussymbol mehr. Mobility-Autos ersetzen mittlerweile ganz selbstverständlich Privatfahrzeuge. Als Nächstes könnten nun Unternehmen vermehrt von dieser Entwicklung profitieren – indem sie sich auf Corporate Carsharing verlegen. 

Sie meinen, Unternehmen sollten auf eine eigene Fahrzeugflotte verzichten?
Genau. Während der Pandemie sank die Geschäftsmobilität enorm, vieles lief online ab. Auch künftig sind Mitarbeitende vermutlich weniger unterwegs. Viele Unternehmen müssen deshalb überdenken, ob ihr Modell mit einer im Unterhalt teuren Firmenflotte noch zeitgemäss ist. Corporate Carsharing nach Bedarf bietet sich hier als Alternative an – keine Fixkosten, einfache Registrierung und hohe Flexibilität.

Was für ein Verkehrsmittel darf es heute sein?

Wie sind Angestellte in Zukunft mobil?
Künftig werden Mitarbeitende spontan entscheiden, welches Verkehrsmittel für sie gerade am besten passt. Bei längeren Strecken kommt vielleicht zunächst der Zug zum Einsatz, für die letzten Kilometer dann womöglich ein Mobility-Auto. Vielleicht ist auch noch ein Mietvelo dabei. All diese Bausteine müssen Reisende heute noch separat buchen. In Zukunft gibt es eine einzige App, mit der sich alles organisieren lässt. 

Der Trend zum Teilen wird sich also fortsetzen?
Auf jeden Fall! Kein eigenes Auto zu besitzen, wird sogar Standard werden. Schon allein wegen der Freiheiten, die sich daraus ergeben – denken Sie nur an Parkplatzmieten, die sich erübrigen. Aber auch der Nachhaltigkeitsgedanke ist den Menschen immer wichtiger: Besitzen weniger ein Auto, gibt es auch weniger Verkehr auf der Strasse. Und die wenigen Autos werden dann bewusst geteilt. Kurz: Der Nutzen hat in Zukunft einen höheren Stellenwert als das Eigentum.

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